Zwangsarbeit in einem Kieswerk 1939 – 1945

(am Beispiel der Baufirma Habermann & Guckes)

3. Die Erfassung der eintreffenden Zwangsarbeiter (3)

Stabe musste den Polen zusätzlich ein umfangreiches Merkblatt verlesen oder es ihnen zum Lesen in polnischer Sprache vorlegen. In 10 Punkten wurde eindringlich (nur) auf die „Pflichten der Zivilarbeiter und -arbeiterinnen polnischen Volkstums während ihres Aufenthalts im Reich“ hingewiesen. Das Merkblatt durfte auf keinen Fall veröffentlicht oder an die einzelnen Personen ausgehändigt werden,[3-6] da sein diskriminierender Inhalt den menschenverachtenden Charakter des Arbeitseinsatzes von Ausländern in Deutschland offenbart hätte. Im Punkt 4 war die Kennzeichnungspflicht der Polen mit einem an die Kleidung fest anzunähenden „P“ vermerkt worden. 

rechts: Stanislaw Piasecki mit "P"-Zeichen

Außerdem wurde den Neuankömmlingen verkündet, dass sie im Falle des geschlechtlichen Verkehrs „mit einer deutschen Frau oder einem deutschen Mann ... mit dem Tode bestraft“ würden. Die Betroffenen werden aus dem Staunen nicht wieder herausgekommen sein, insbesondere nach der Lektüre von Punkt 9, wo es hieß: „Jeder polnische Arbeiter und jede polnische Arbeiterin hat sich stets vor Augen zu halten, dass sie freiwillig zur Arbeit nach Deutschland gekommen sind.“[3-7]

Seite 1 des Merkblatts (zur detaillierteren Darstellung: auf das Bild klicken)

In der vorbeschriebenen Art und Weise hat der Wattenbeker Bürgermeister im Jahre 1940 die Meldungen der folgenden 34 Polen als Arbeitskräfte für das Kieswerk in Brüggerholz aufgenommen:[3-8]

 

Ankunft

Name

Alter

Heimatort

Beruf

 

01.01.1940

Stanislaw Opala

16

Łódź

Arbeiter

 

30.04.1940

Marian Tomalak

35

Łódź

Arbeiter

 

20.05.1940

Roman Rosiak

17

Łódź

Arbeiter

 

20.05.1940

Stanislaw Jesionek

20

Łódź

Arbeiter

 

21.05.1940

Jan Piotrowski

17

Łódź

Arbeiter

 

21.05.1940

Ryszard Samulczyk

27

Łódź

Buchdrucker

 

21.05.1940

Hermann Matuszewski

33

Łódź

Arbeiter

 

21.05.1940

Wladyslaw Pakulski

42

Łódź

Schlosser

 

25.05.1940

Edward Paluszczak

17

Poznań

Arbeiter

 

01.06.1940

Edek Kepski

26

Łódź

Kiesarbeiter

 

01.06.1940

Adam Aleksanderek

38

Łódź

Arbeiter

 

01.06.1940

Czeslaw Filipiak

16

Poznań

Kiesarbeiter

 

01.06.1940

Stanislaw Piasecki

17

Poznań

Arbeiter

 

01.06.1940

Henryk Bethcke

20

Poznań

Arbeiter

 

02.06. 1940

Janusz Smoczynski

20

Poznań

Arbeiter

 

01.07. 1940

Leon Lange

13

Łódź

Arbeiter

 

01.07. 1940

Leopold Dzieeinchowiez

18

Łódź

Arbeiter

 

01.07. 1940

Stanislaw Walkowiak

19

Poznań

Arbeiter

 

14.09. 1940

Peter Galewiez

26

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09. 1940

Joseph Hoppe

26

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09. 1940

Anton Gajewski

27

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09. 1940

Kasimier Dyszelski

28

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09. 1940

Kasimir Nodzak

33

Leslau

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Franz Bednarski

34

Leslau

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Joseph Koltunski

36

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09.1940

Jan Chojnowski

37

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09.1940

Johann Groblewski

37

Leslau

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Joseph Borowski

38

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09.1940

Czeslaw Brzustowiez

42

Leslau

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Joseph Cieniecki

44

Leslau

Wasserstraßenarbeiter

 

14.09.1940

Leo Nowakowski

49

Leslau

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Joseph Dzikowski

40

Leslau(?)

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Manfred Adomczak

51

Leslau(?)

Tiefbauarbeiter

 

14.09.1940

Tadeusz Aleksanderek

16

Łódź

Arbeiter

 

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[3-6] Ebd., S. 13f. und 23f.

[3-7] Ebd., S.19.

[3-8] Die Angaben in der Tabelle ergeben sich zum einen aus dem Einwohnermelderegister der Gemeinde Wattenbek und zum anderen aus der in Anmerkung 19 erwähnten Kartei.